Yrsa Sigurdardóttir: Sog (Kommissar Huldar 2)

Wenn eine Lieblingsautorin endlich wieder ein neues Buch veröffentlicht hat und man es unbedingt „lesen“ will bevor das TB erscheint, dann greift man tatsächlich mal auf’s Hörbuch zurück, obwohl man die Reihe bisher gelesen hat. Manchmal funktioniert so ein „Bruch“ (Eva Almstädts Pia Korittki-Reihe  lese ich inzwischen lieber, als dass ich sie höre), manchmal nicht. Yrsa werde ich zukünftig lieber wieder lesen :D Am Inhalt des Buches gibt es allerdings nichts zu meckern!

INHALT: In Reykjavík wird nach zehn Jahre eine Zeitkapsel gehoben, die Briefe und Aufsätze von Schülern enthält, die sich die Welt im Jahre 2016 ausmalen. Einer der Schüler sagte in seinem Brief den Tod von mehrehren Menschen vorher, verrät aber nur ihre Initialen. Die Polizei nimmt den Brief nur halbernst, der „Fall“ geht an Kommissar Huldar, der degradiert wurde und nur noch weniger Wichtiges auf den Schreibtisch bekommt. Doch als ein Paar abgetrennter Hände in einem Whirlpool im Garten eines pensionierten Richters auftaucht und kurz darauf ein grausamer Mord geschieht, kann die Polizei den zehn Jahre alten Brief nicht mehr als Hirngespinst abtun und Huldar bekommt die Chance sich zu rehabilitieren. In der Hoffnung auf diesem Wege auch seine Beziehung zur Kinderpsychologin Freyja wieder kitten zu können, nimmt er sie mit ins Boot.

SPRECHER: Dietmar Wunder, der z.B. auch die Robert Galbraith-Reihe um Cormoran Strike → spricht. Obwohl ich Dietmar Wunder zu meinen bevorzugten Hörbuch-Sprechern zähle, ist er mir für den leichten Grusel, den ich an Yrsa Sigurdardóttirs Büchern so sehr liebe, etwas zu sehr Märchenonkel.

FAZIT: Ein spannender und zugleich schrecklicher Fall. Schrecklich vor allem, weil bereits im Prolog deutlich wird, dass ein kleines Mädchen Opfer eines Verbrechens wird und Gewalt gegen Kinder und Tiere trifft mich immer am härtesten. Die Geschichte macht trotz des seltsamen Aufhängers mit der Liste in der Zeitkapsel, was ja zuerst mal an Hellseherei oder ähnlich Okkultes denken lässt, Sinn und spart nicht an menschlichen Abgründen und blutigen Details. Trotzdem habe ich mich nicht so abgestoßen gefühlt wie z.B. bei Karin Slaughter-Romanen in denen ein Horro-/Folterszenario das nächste jagt, das war mir einfach zu drüber. Nicht, weil ich so empfindlich bin, sondern einfach, weil ich in einem Thriller oder Krimi das Grässliche lieber subtil serviert bekomme, um den wahren Horror sich in meinen Gedanken bilden lassen zu können. Genau deswegen mag ich Yrsas stand-alone-Krimis so sehr, sie gruseln mich unglaublich, ihre Art zu schreiben spornt meine Phantasie zu Höchstleistungen an.

Allerdings, und damit greife ich meine Meinung zum Vorgänger DNA wieder auf, ist auch Sog ein Thriller, der überall und nirgendwo spielen könnte. Das Besondere, das Isländische an Yrsas stand-alone-Romanen oder ihrer Reihe um die Anwältin Dóra fehlte in DNA und fehlt auch in Sog, obwohl wieder Tina Flecken anstelle von Annika Wolff als Übersetzerin engagiert wurde. An der Übersetzung liegt es also nicht. Das nicht-Isländische macht das Buch und die Geschichte nun nicht unbedingt schlechter, es handelt sich immer noch um einen spannenden Thriller, aber es ist einfach kein Island-Thriller mehr. Ich kann leider nicht herausstellen, was genau ich mir unter „isländisch“ vorstelle, daher bleibt mir nur der Verweis darauf, dass Yrsas andere Reihen eben einen Zauber haben, der der Huldar-Serie abgeht. Aber vielleicht ist das ja auch gewollt. Ich freue mich auf jeden Fall trotzdem auf Yrsas nächstes Buch – egal wer die Protagonisten sind.

6 Comments

  1. Mir hat das Buch besser gefallen, als DNA.

    Ich mag Yrsas lose Bücher lieber, also die die in keiner Reihe sind. Die sind so schön gruselig, aber nicht zu sehr. Island halt, weil ein bisschen mystisch. Vielleicht ist es das, was Die fehlt ;)

    LG

  2. Hi Alice!

    Ah, du bist auch ein Yrsa-Fan! Cool! Ich lese gerade das Buch und mir fehlt ebenso das Isländische wie Dir. Das kann Yrsa eindeutig besser. Ich bin ein bekennender Island-Fan und war auch schon des Öfteren dort bzw. habe isländische Freunde. Was mir einfach an den Island-Krimis komisch vorkommt und mich etwas belustigt, ist die Tatsache, dass Island eines der friedlichsten Länder mit der geringsten Kriminalität ist…und dann sollen dort so grausige Morde und Verbrechen begangen werden? Und die Polizei sei so überarbeitet… in 4 Wochen in Island ist uns gerade mal ein Polizeiauto begegnet. :-) Naja, es ist halt Fiktion und vielleicht wünscht sich der ein oder andere Isländer ja, das mal etwas Aufregenderes passiert, als dass die Touris die Naturgesetze Islands nicht beachten und reihenweise ins Meer fallen oder die heissen Quellen verunreinigen. :-/ Nichtsdestotrotz erwarte ich mit Spannung jeden neuen Roman von Yrsa und anderen isl. Autoren.

    Liebe Grüsse
    Anja

    • Thihi, das habe ich jetzt schon öfter gehört, nicht nur bezogen auf Island. Ich glaube bei Inspector Barnaby ist es sogar ein running gag in der Serie, dass die Morde sich im friedlichsten Eckchen der Welt so häufen – also wohl genau wie in Island :)

      Ich hoffe ebenfalls, dass das nächste Buch wieder etwas mehr Island hat. In dieser Reihe sind die Schauplätze doch arg austauschbar.

    • Und irgendwann schaffe ich es mal nach Island/Schweden/Norwegen und bin dann total enttäuscht, dass das alles gar nix mit den Büchern zu tun hat ;) In Sachen von Mordfällen ist das natürlichb eine gute Sache, aber darüber hinaus hat man sich ja so seine ganz eigene Vorstellung von Land und Leuten gemacht.

Begin at the beginning and go on 'till you come to the end: then stop.

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