Ursula Poznanski: Kommissare Kaspary & Wenninger 1-4

Die Österreicherin Urusla Poznanski ist dem ein oder anderen sicherlich als Autorin von Fantasy-Jugendromanen ein Begriff. Da das nicht mein Genre ist, hatte ich sie bisher nicht auf dem Schirm, und an ihre Reihe um die Kommissare Kaspary und Wenninger auch nicht allzu hohe Erwartungen. Daher hatte ich sie  mir für „irgendwann mal“ aufgehoben. „Irgendwann“ war nun Anfang Oktober, als der Herbst uns so einige Sommer-Sonnen-Momente bescherte und die Reihe gefiel mir so gut, dass ich sie innerhalb von zehn Tagen und auf Kosten des Nachtschlafs zu Ende gelesen habe. Hoffentlich gibt es bald einen neuen Teil :)

FÜNF
Auf einer Kuhweide wird eine ermordete Frau gefunden. Die frisch in ihre Fußsohlen eintätowierten Ziffern entpuppen sich als Koordinaten zu einem Ort an dem sich, versteckt in einer Plastikbox, ein Körperteil befindet. Nach und nach tauchen weitere Leichenteile auf und die Salzburger Kommissare finden sich in einer morbiden Geocaching-Schnitzeljagd wieder, die sie an ihre Grenzen bringt.

BLINDE VÖGEL
Auf einem Campingplatz wird ein ermordetes Paar entdeckt, sie erwürgt, er erschossen. Eine Beziehungstat mit anschließendem Selbstmord? Bei ihren Nachforschungen stoßen die Kommissare auf eine private Facebook-Gruppe, die sich mit Lyrik beschäftigt, Fotos und Gedichte postet und bespricht. Einige der Beiträge scheinen geheime Botschaften zu enthalten, die nur eine Handvoll der User versteht. Da stirbt ein weiteres Mitglied der Gruppe…

STIMMEN
Auf der Psychatriestation des Klinikums Salzburg-Nord wird ein junger Arzt ermordet aufgefunden. Die Vermutung, dass er einem der Patienten zum Opfer gefallen ist, liegt zwar nahe, doch die Beweise sprechen eine andere Sprache. Mindestens einer der schwer traumatisierten Patienten der Station, scheint allerdings etwas beobachtet zu haben. Es erfordert viel Fingerspitzengefühl und Geschick die notwendigen Informationen aus den Patienten herauszukitzeln.

SCHATTEN
Ein Mann wird mit durchschnittener Kehle in seiner Wohnung aufgefunden, kurz darauf stirbt die Hebamme, mit der Kommissarin Beatrice Kaspary vor Jahren während ihrer ersten Schwangerschaft aneinander geraten war. Beim ersten Opfer findet sich ein Gegenstand, der Beatrice schlagartig zurück in die Vergangenheit katapultiert, zurück in die Zeit, als ihre beste Freundin in der gemeinsamen WG grausam abgeschlachtet wurde. Der ungeklärte Mordfall hat Beatrice bis heute nicht losgelassen und nun scheinen die Geister der Vergangenheit an ihre Tür zu klopfen…

FAZIT: In den Krimis geht es um die beiden Salzburger Kriminalkommissare Beatrice Kaspary und Florin Wenninger. Obwohl sie den gleichen Dienstgrad haben, betraut der Kommissariatsleiter Hofmann in der Regel Florin mit der Ermittlungsleitung, da er Beatrice nicht ausstehen kann, Florin aber sehr schätzt. Auch zuhause hat es Beatrice es nicht leicht, sie ist frisch geschieden, Sohn und Tochter leben bei ihr, doch Beruf und Familie sind nicht problemlos zu vereinbaren, woraus ihr Ex-Mann ihr gerne einen Strick drehen möchte. Florin pflegt eine Fernbeziehung zu einer niederländischen Journalistin und stammt aus reichem Haus, er versucht Beatrice zu unterstützen und vor allem auch zu decken wo er kann. Gemeinsam lösen die beiden nicht nur die Kriminalfälle in Salzburg, sondern auch die Probleme, die sich im Privatleben des anderen anstauen. Da das Privatleben der Kommissare also eine nicht unerhebliche Rolle spielt, ist es unbedingt zu empfehlen die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen (s.o.) zumal der Fall in Schatten in den Vorgängern auch immer mal wieder angeschnitten wird.

Insgesamt sind die einzelnen Fälle sehr interessant. Zum einen gefällt mir das Salzburger-Lokalkolorit, das zwar gegenwärtig, aber nicht enervierend aufdringlich ist. Zum anderen mag ich die Art der Präsentation der Fälle. Klingt nun natürlich etwas krank, immerhin geht es um Morde. Aber es gelingt Ursula Poznanski die grässlichen Taten so zu verpacken, dass man sich trotz aller Grausamkeit als Leser nicht als pietätloser Voyeur, sondern vielmehr als neutraler Beobachter einer Tatort-Szenerie fühlt. Ich habe kein Problem mit drastischen Darstellungen toter Körper, was ich aber nicht mag ist, wenn ich den Eindruck habe, dass sich der Autor geradezu im Foltern suhlt und jeden Blutspritzer, jedes abgetrennte Körperteil feiert. Die Distanz mit der Poznanski solche Szenen beschreibt, habe ich trotz aller Grausamkeit als sehr, sagen wir mal, angenehm empfunden und das hat letztlich auch die Stärke dieser Krimis für mich ausgemacht. Die Fälle mit Geocaching oder Facebook-Hintergund sind mal was anderes und gut durchdacht, die Täter, bei allem Wahn, immer noch Menschen und keine perversen Serienkiller die einfach Spaß am Spiele spielen, foltern und töten haben. Es ist einfach zu einfach am Ende jeden Killer plakativ als komplett geisteskrank abzustempeln, wie es in anderen Thrillern oft der Fall ist, geschickter ist es, ihm bzw. ihr noch eine Zug Menschlichkeit zu lassen. Für mich sind die von Poznansiki geschaffenen Szenarien somit wesentlich realisitscher als viele andere Serien des Genres und ich hoffe Fall 5 für Kaspary und Wenninger folgt im nächsten Jahr.

ÜBRIGENS… das Foto für diesen Beitrag hat natürlich nichts mit Kaspary & Wenninger zu tun. Ich habe einfach kein schönes Bild von einem der Bücher auf dem Kindle hinbekommen und habe daher dieses Foto für die Kategorie Bücher erstellt. So ganz nackig soll der Beitrag ja nicht sein ;)

8 Comments

  1. Muss ich mir mal anschauen. Bin durch deine Beiträge ja schon des Öfteren auf neuen Lesestoff gestoßen. Die Jugendromane von Frau Poznanski sind aber wirklich nicht schlecht. Ich muss mir aus beruflichen Gründen ja doch das ein oder andere zu Gemüte führen und kann z.B. Saeculum von ihr durchaus empfehlen.

    • Meine Mädels Mo und nakura sehen das genauso – vielleicht lese ich die Jugendromane doch mal noch. Jetzt widme ich mich wohl erst mal nochmal dem Lied von Eis und Feuer :)

  2. Hi Alice

    Ich liebe es Deinen Blog nach neuem Lesefutter zu durchstöbern. :-) Diese Autorin war mir bisher kein Begriff, aber mir gefällt Deine Review ihrer Bücher unheimlich gut und ich werde sie auf jeden Fall auf meine „muss ich unbedingt lesen“ Liste setzen. Ich bin immer für einen guten Krimi zu haben und aus Österreich kenne ich noch gar nix. Habe mich eher auf die nordischen Länder eingeschossen (der neue Nesbo liegt auch schon parat :-) und die süddeutsche Szene gefällt mir auch richtig gut (Andreas Föhr z.b.).

    LG
    Anja

    • Wie schön das zu hören :) Solch ein Feedback ist natürlich immer klasse, gerade weil man sich bei den Buch-Beiträgen ja nie sicher sein kann ob die überhaupt wen interessieren.

      Ich hoffe dir wird die Reihe so zusagen wie mir! Als Nächstes gehe ich eine weitere Österreicherin an, Schauplatz Wien!

  3. Ich habe bisher nur den ersten Teil gelesen, möchte die anderen aber auch noch unbedingt lesen. Vielleicht teste ich band 2 demnächst als Hörbuch :)

  4. Jetzt bist du ja überraschenderweise mal in etwas südlichere Krimi-Gefilde vorgestoßen :)

    Diese Bücher lese ich zwar nicht, aber dafür immer deine Rezensionen. Finde es auch super, dass du momentan wieder etwas häufiger bloggst ♡

    • Thihi, ja, sehr überraschend, gell? Und ich bleibe in Österreich! :D

      Ich finde es so süß, dass du auch die Rezensionen, die dich ja vermutlich reichlich wenig interessieren, liest! Aber ich gebe zu, ich lese bei dir auch alles. Unsere Beiträge halten nun ja keine 30 Minuten auf, da kann man auch mal fünf Minuten was lesen, was man vermeintlich für nicht so interessant gehalten hat. Und bestenfalls wird man eines Besseren belehrt :)

Begin at the beginning and go on 'till you come to the end: then stop.

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