Die Sache mit der Nähnadel…

Die ganze Welt versucht sich derzeit in Nachhaltigkeit. Jap, bin ich auch für. Nicht immer alles wegwerfen, was man noch reparieren kann, nicht wegen 50 Cent Preisunterschied zu Produkten greifen deren Produktionsweg mehr als fragwürdig ist, noch tadellos funktionierende Geräte nicht durch neuere Modelle ersetzen. Die einen verzichten auf Fleisch, die anderen auf Plastik, wieder andere ziehen das Fahrrad oder die Öffis dem eigenen Auto vor. Beispiele gibt es unendlich viele.Wie heißt es so schön? Wenn jeder tut was er kann, summiert sich das und wir kommen einer verantwortungsvollen Welt einen Schritt näher.

Letztens las ich in diesem Zusammenhang einen Artikel zum Thema Minimalismus, der unter anderem zum Thema hatte den überbordenden völlig überflüssigen Konsum unserer Gegenwart einzuschränken. Der erste Ansatz sich materiell zu verkleinern war es, alle Kleidung eiskalt wegzuwerfen, die Flecken und Löcher hat. Macht Sinn! Zu den Massen an Nagellacken, Kissenbezügen und Backformen komme ich dann ein anderes Mal. Bei drei Panties, bei denen sich die Spitze vom oberen Rand löste und bei zwei Schlafanzughosen, die ein übermotivierter Kater durchlöchert hatte, fiel mir das nicht schwer. Auch bei ein paar schlichten T-Shirts, die unter den Armen Verfärbungen von Deo respektive Schweiß aufwiesen, zögerte ich nicht lange, einzelne Socken, für die einfach kein Partner mehr zu finden war flogen weg und auch ein ganzer Haufen Schuhe fand seinen Weg in den Schuh-Container – seit teilweise über fünf Jahren nicht mehr getragen. So what?!

Doch bei ein paar Teilen machte ich es mir nicht so leicht. Mein Lieblings-Sommer-Cardi, ein hellgraues Teil aus Feinstrick, erstanden beim Kaffeeröster mit T, und als „nachhaltig“ gelabelt, hatte ein Loch in der Naht unter’m Arm. „Aufgegangen“, wie man so schön sagt, und ein weiteres mitten im Rücken. Motten oder wahlweise Selbstverschulden, man bleibt ja gerne mal irgendwo hängen. Zwei weitere Teile von denen sich mein Herz nicht trennen wollte, waren meine beiden Lieblingshosen, gleiches Modell, zwei unterschiedliche Farben, beide zwischen den Beinen aufgerieben. Kein Wunder, einerseits, weil ich nun mal kein thigh-gap habe sowas von nicht *haha*, andererseits, weil  ich sie einfach oft trage und die Materialbeanspruchung inklusive der ständigen Wascherei hoch ist.

Neuer Ansatz also, mal was reparieren! Ich nahm also Nadel und Faden zur Hand, beides aus einem kleinen Set, das mal ein Werbegeschenk der Stadt gewesen war, und begann den Cardigan zu reparieren. Man kann es wohl als mein Glück bezeichnen, dass der Cardi grau-weiß meliert ist und die Löcher klein waren. Meine Stopf- bzw. Nähversuche gelangen und nach fünf Minuten war das gute Stück soweit repariert, dass ich es wieder tragen konnte, ohne dass andere Leute sich genötigt sahen mich auf das Loch aufmerksam zu machen. Thanks to Oma, dass sie auch in den 90ern Sockenstopfen noch für notwendig hielt und ich das dann natürlich ebenfalls machen wollte ;) Meine Bügelflicken in den aufgeriebenen Hosen boten hingegen keine langlebige Lösung, hier musste eine geübtere Näherin ran. So viel zur Rettung meiner Lieblingssachen.

Weniger erfreulich war allerdings, dass die Naht des Cardigans überhaupt aufgerissen war. Und auch, dass eine andere Hose, die als „nachhaltig“ und „Sie unterstützen eine gute Sache!“ deklariert war, nach dem ersten (!) Tragen schon deutlichen Abrieb zwischen den Beinen zeigte, erfüllte mich nicht gerade mit Begeisterung. Auch bei technischen Geräten drängt sich mir schon länger der Verdacht auf, dass nichts mehr produziert wird, um möglichst lange zu überleben. Ist ja auch nicht wirtschaftlich. Klar. Aber es nervt. Ist mein Anspruch da vielleicht zu hoch? Darf ich nicht erwarten, dass „nachhaltig“ produzierte Sachen auch länger bzw. genauso lange wie andere Sachen halten? Wie seht ihr das? Und steht ihr manchmal auch vor eurem Schrank und werdet erschlagen von der schieren Masse an Sachen, die man in den letzten Jahren so angesammelt hat? Oder gehört ihr zu den aus meiner Sicht höchst bewundernswerten Menschen, die ihren gesamten Hausstand oder zumindest den Kleiderschrank in zwei Koffer packen können?

14 Comments

  1. Hey Alice,

    ich nehme mir schon gefühlt seit einer Ewigkeit vor mal wieder meinen Schrank so richtig auszumisten. Habe ich dieses Jahr noch nicht so richtig geschafft. Hm… vielleicht dieses Wochenende ;-)

    Schön das du so fleißig warst!

    Ich muss die aussortierten Sachen auch möglichst bald loswerden, sonst kann es gut passieren, dass ich die Sachen irgendwann wieder in meinen Schrank räume, weil ich sie hübsch finde und dann doch nicht anziehe. *haha*

    Ich bin immer total traurig, wenn ich eine Lieblingsjeans wegen nicht reparablen Schäden zwischen den Beinen wegschmeißen muss. Hast du eine gute Möglichkeit gefunden diese Schäden doch noch zu reparieren?

    Viele liebe Grüße und ein schönes Wochenende! :-)

    • Meine Mum hat bei meinen beiden beschädigten Exemplaren von innen einen nicht-Jeans-Stoff gegengenäht. Das sieht man, solange ich die Hose trage, nicht. Für mich ist das jetzt mal eine Weile okay, aber ich glaube den meisten Leuten genügt das nicht :D

  2. Erst mal empfehle ich die Doku Minimalism bei N**flix ;)

    Bei den Elektrogeräten gebe ich Dir recht, die sind definitiv nicht mehr für die Ewigkeit gebaut.

    Ich finde es kann nicht schaden, sich über Nachhaltigkeit Gedanken zu machen. Dazu erzieht mich schon der AG. Wobei ich hier eher wirtschaftliche Interessen vermute. Allerdings läuft das bei mir eher unter dem Motto Energie sparen, also auch mal das Fahrrad nehmen, Thermostat bei der Heizung usw. Hier stehen dann auch meine wirtschaftl Interessen mit im Vordergrund. Bei Mode habe ich mir da wenig Gedanken gemacht, da ja doch alle irgendwie in Asien produzieren lassen und von Kinderarbeit will ich gar nicht erst anfangen. Beim Anbieter mit dem C und dem A greife ich allerdings gerne zur Bio-Baumwolle, weil ich hoffe, dass die Umwelt weniger belastet wurde und weil die Artikel sehr angenehm zu tragen sind.

    Grundsätzlich sollte man nicht direkt wegwerfen, sondern versuchen zu reparieren, finde ich. Die habe ich ja GsD einen Mann, der alles zu Tode repariert… ;0)

    LG

    LG

  3. Nach zwei Umzügen denke ich immer wieder daran: Was ist, wenn du wieder umziehen musst?! Also lieber wegwerfen, verkaufen, verschenken als ein weiteres Regal oder einen weiteren Schrank zu kaufen. Ich habe also seit 6 Jahren zwei Billy Regale und wenn die zu eng werden, müssen leider Bücher gehen. Im Büro und mit dem Kleiderschrank ist es genauso. Darüber hinaus hat es den Effekt, nicht mehr so viel zu kaufen. Deko habe ich beim letzten Umzug zwei Kisten aussortiert. So viel Kram, den man geschenkt bekommt und der einfach nicht hübsch ist! Und oft frage ich mich auch: Brauche ich das wirklich? Es gibt Dinge, die kann ich mir auch mal leihen. Ist zwar mit einer Familie, die weiter weg wohnt nicht einfach, aber haut hin.
    Wenn ich etwas verschenke, dann schenke ich nun im Zweifel auch lieber etwas, das sich verbraucht.
    Insgesamt bin ich weit davon entfernt, mit zwei Koffern umziehen zu können, aber es ist schon besser geworden :-)

    • Diese völlig unnötigen Geschenke, die man sich nicht wagt wegzuwerfen, die man aber auch nicht braucht – die Pest. Ich hab in letzter Zeit gerne YankeeCandles verschenkt, die sind hübsch, riechen gut und Kerze verbrennt sich halt. Ach und wenn man sie nicht mag, eignen sie sich zum Weiterverschenken *g*

  4. Mache mir da mittlerweile recht viel Gedanken drüber und störe mich auch immer mehr an meinen eigenen Müllbergen. Kaufe immerhin so gut wie gar keinen Kaffee to go mehr, Kleinvieh macht auch Mist.

    Wir versuchen schon zu reparieren wenn es Sinn macht und vor allem auch machbar ist (für die dauerhafte Rettung von aufgeriebenen Jeans habe ich leider aber auch noch keine Lösung gefunden, buuhuu).

    Ich wünschte mir mein Hausstand würde in einen Koffer passen aber das ist wohl eher unrealistisch. Ich kaufe einfach so gut wie gar nichts mehr neues dazu und hoffe so ganz langsam wird mein Kram damit von alleine weniger ;-)

    • Die Coffee-to-go-Becher sind wirklich schlimm! Ich habe meist meinen Thermobecher dabei und da ich nur schwarzen Kaffee trinke, also auch unterwegs, lasse ich mir den Kaffee dort direkt hineingießen. Mit Milchmixgetränken ist das aber sicherlich schwieriger, von der Größe her und so…

      Ich bin nun übrigens auch auf der Suche nach neuen Hosen, Mama hat in Sachen Reparatur wirklich überwältigend gute Arbeit geleistet und die Reparatur hält – das Material drumrum geht nun aber dennoch in die Binsen und ich will lieber nicht plötzlich mit nackigem Poppes da stehen :D

  5. Ich bin ja mittlerweile auch sehr auf dem „weniger-ist-mehr“-Trip und versuche, mich von all den überflüssigen Dingen zu trennen, die sich so in meinem Kleiderschrank/in der Küche/in der Garage/im Keller stapeln. Einen Großteil habe ich schon bei ebay Kleinanzeigen bzw. Kleiderkreisel vertickert, denn auch bei überschaubarem Ertrag ist es doch besser, wenn andere Leute an den Sachen noch Freude haben, als sie direkt wegzuschmeißen. Und so einiges hat da einen neuen und zufriedenen Besitzer gefunden.

    Ansonsten plädiere ich eigentlich auch sehr für „Reparieren“, bin aber handarbeitsmäßig total unbegabt (das ist bei uns in der Familie erblich ;-) und muss mir deshalb immer externe Dienstleister suchen. Und da überlege ich natürlich dann doch, ob der (finanzielle) Aufwand das Ergebnis wert ist.

    • Ich versuche die Sachen, die noch gut sind, auch in der Bucht zu verkaufen. In der Regel klappt es ganz gut, aber so alle paar Mal gibt es dann doch Zickereien und ich könnte plaaaatzen :D

  6. Minimalismus vs. Nachhaltigkeit
    Ein schönes Thema.
    Kaufe ich eine teure Tupperdose, oder eine billige vom Discounter?
    Beides nicht gut, weil es Plaste ist? Dann doch besser die dauerhafte Brotdose aus Aluminium?
    Aber Alu ist so energieintensiv bei der Verarbeitung und umweltschädlich bei der Gewinnung.
    Außerdem geht es in die Nahrung über. Mein Brot in Papier einwickeln? Aber ich wollte doch meinen Müllberg reduzieren.
    Eine Spirale ohne Ende.

    In den 90ern habe ich mir auf einer alten Gritzner Gradstich mit Fußantrieb das Nähen beigebracht, zum einen weil ich knapp bei Kasse war, zum anderen weil meine Jeans dünn wurden.
    Was als Schüler noch ging, geht im Geschäftsleben nicht mehr – hier muss ich schon einigermaßern vernünftig rumlaufen.

    Weiterhin hat mich die (Nach-)Kriegsgeneration stark geprägt. Wegwerfen geht gar nicht.
    Warum ein T-Shirt mit einem Loch wegwerfen, wenn ich es noch „drunter“ tragen kann?
    Warum rostige Nägel oder alte Schrauben zum Schrott geben – die können noch geradegeklopft und wiederverwendet werden. Kerzenreste werden aufgeschmolzen und Handtücher zu Putzlappen verarbeitet.
    Den Hausstand zu reduzieren ist gar nicht so einfach.
    Alles, was man ein Jahr nicht benötigt wird einfach weggeworfen?
    Was ist mit Ausstechformen für Plätzchen – werden nur einmal im Jahr gebraucht – wenn ich dazu kommen. Muss ich die jetzt wegwerfen?
    Der Verbandskasten aus dem Auto? Zum letzten Mal 1996 benötigt – seitdem nur ausgetauscht, weil das Verfallsdatum dort wirklich einen Sinn hat – wie 1996 festgestellt.
    Bücher sind Freunde – ich kaufe nur noch selten neue, aber darum alte wegwerfen? Ich lese doch alle paar Jahre mal wieder drin.

    Andererseits tut es gut, sich von Dingen zu trennen, die Zeit und Gedanken binden.
    Denn was kostet mehr Zeit, als Kram zu sortieren, abzustauben, von rechts nach links zu räumen.

    Mein Wunsch ist auch der leere Koffer – noch bin ich meilenweit davon entfernt. Denn einfach etwas wegwerfen, nur weil es alt oder kaputt ist…???
    Ich bin auch nicht mehr frisch und an mir ist auch nicht mehr alles heil – möchte ich weggeworfen werden? ;-)

    • Eine Spirale ohne Ende, du sagst es. Aber wenn sich jeder seine 2 Cent Gedanken zum Thema macht, ist der Welt glaub ich schon geholfen.

      Plätzchenausstecher sollte man allerdings behalten, außer sie sind verrostet. Weil dass Weihnachten jährlich wiederkommt, das steht fest :D

  7. Ich finde die große Ausmist- und anschließende partielle Reparaturaktion klasse von dir.
    Mache ich beides ebenfalls hin und wieder, wenngleich ich mich von Teilen mit klar erkennbarem Materialabrieb (wie hier bei den Hosen) wohl direkt trennen würde. Sowas ist echt nur extrem schwer zu retten. Leider.
    So kleine Löcher sind dahingehend noch vergleichsweise einfach zu reparieren. Es ist übrigens super, dass du Löcher stopfen kannst! Ich bekomme das nur solala hin, weil mir meine Oma das leider nie beigebracht hat (zumindest bisher; werde sie demnächst mal darauf ansprechen und dann zeigt sie es mir bestimmt genauso wie die Strickerei).

    Hab vor Kurzem selber auch mal wieder einige Teile weiter veräußert und einen weiteren, großen Beutel mit eher unverkäuflichen Stücken (nicht schön und/ oder beschädigt) bei H&M abgegeben. Den dadurch erhaltenen 15%-Gutschein investierte ich dann vor Ort auch noch gezielt in mein Bowlingteam-Funktionsshirt, das ich mir ohnehin am besagten Tag kaufen wollte.

    Die vom Hersteller gezielt verursachte Kurzlebigkeit von Kleidung, technischen Geräten, etc. nennt man übrigens geplante Obsoleszenz (auf youtube gibt’s zu speziell dieser Thematik einen richtig interessanten Beitrag). Ich hab mich dazu ja auch schon mehrfach negativ auf meinem Blog geäußert und in die gleiche Kategorie fällt wohl auch mein Laminiergerät, das vor wenigen Tagen völlig grundlos den Geist aufgegeben hat (natürlich außerhalb der gesetzlichen Gewährleistungszeit), obwohl es bisher bloß höchstes 40 mal benutzt worden ist. Sehr, sehr ärgerlich :(
    Hab auch das Gefühl, dass es qualitätsmäßig – besonders im Kleidungsbereich – aktuell überall und immer mehr bergab geht.

    • Geplante Obsoleszenz – ich bin begeistert. Wieder was gelernt :)

      Stopfen ja, aber glaubst du mir, dass ich das mit dem Stricken niemals auf die Kette bekommen habe?! Schlimm. Und beschämend. Hab sogar ein Buch „Stricken für Dummies“ und bin trotzdem zu bleeeeed.

      Ich muss zugeben, wenn ich Hosen ganz easy kaufen könnte, wäre ich in Sachen aufwändiger Reparatur wohl auch etwas zurückhaltender (meine Mum flucht immer, wenn ich wieder ankomme :D). Aber mir passt von der Stange leider nur sehr selten was, die entsprechenden Stücke werden dann gehütet wie der Heilige Gral :D

Begin at the beginning and go on 'till you come to the end: then stop.

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