Die Sache mit der Autowaschanlage…

Wisst ihr was ich gar nicht mag?! Mit dem Auto durch die „Waschstraße“ fahren! Freundlicherweise hat dies in den letzten Jahren der Herr Ehemann für mich und mein Auto übernommen. Doch ein sehr exakt arbeitender Fotoapparat kombiniert mit Marcs sehr übermotivierter Fahrweise, zwangen mich unlängst diesen steinigen Weg selbst zu gehen.

Ich will die Pointe ja nicht vorwegnehmen, aber da es eh keine gab, kann ich verraten, dass sowohl Auto als auch ich die Waschtour überlebt haben. Doch, während ich also in meinem vor sich hin ruckelnden Auto gefangen war und das Wasser auf’s Dach donnerte und mir jegliche Sicht nahm, hatte ich genug Zeit mir darüber Gedanken zu machen warum ich es heute, als Frau Anfang 30, so sehr hasse durch die Waschstraße zu fahren wo ich mir noch als Dreikäsehoch kaum ein größeres Vergnügen hatte vorstellen können?!

In der Retrospektive betrachtet gebührt die Ehre der Schuld einem Autowaschanlagenmitarbeiter !es lebe die deutsche Sprache für ihre compound-words! aus dem Jahre 2003. In jugendlichem Leichtsinn fuhr ich damals nämlich zum ersten Mal alleine mit meinem Auto und einem nicht mal einjährigen Führerschein zur Waschstraße. Schon die Auswahl des passenden Programms stellte mich vor einer Herausforderung und auch die Bezahlart – durch’s Fenster, der Typ läuft zur Kasse und kommt mit Wechselgeld wieder zurück bzw. in meinem Fall nicht, weil ich natürlich auf Geheiß meines damaligen Freundes ein Trinkgeld gegeben hatte – empfand ich irgendwie als unangenehm. Doch der Horror folgte erst dann.

Während des ersten manuellen Abspritzensschlauchens hatte ich natürlich mein Fenster geschlossen  und meine Sicht war eingeschränkt, weshalb ich die Zeichensprache des Mitarbeiters, der mir signalisierte nach vorne zu fahren, etwas falsch deutete und beim Auffahren auf das Schienenleitsystem die entsprechenden Schienen verfehlte -.- Sehr unangenehm per se. Noch unangenehmer, wenn der Mitarbeiter daraufhin zum Rumpelstilzchen wird – Wutausbrüche anderer Menschen haben noch nie für Leistungssteigerung bei meiner Wenigkeit gesorgt, erst recht nicht beim Rangieren. Der Irre klopfte also wie blöd an mein Fenster und wahlweise meine Motorhaube, während ich versuchte das Auto in die gewünschte Position zu manövrieren. Schweißnass vor Schreck und Panik, denn gemessen an der Reaktion des Mitarbeiters hatte ich mit diesem unglücklichen Rangierversuch die Abläufe der Waschanlage für die nächsten Jahrzehnte nachhaltig gestört, schaltete ich den Motor aus, wie es groß auf der Anzeigetafel, stand und konnte mich auch gerade noch davon abhalten die Handbremse zu ziehen. Aber was hatte ich vergessen?!

Ihr könnt es euch denken: auskuppeln. Und so bewegte sich mein Auto nun natürlich erstmal nicht, als sich das Schienenkettenleitystemdingens versuchte in Bewegung zu setzen. Ihr ahnt wer mir nun auf die Motorhaube sprang?! Nein, nicht King Kong, es war der Waschstraßenmitarbeiter! Gerade eben noch wütend auf und ab springendes Rumpelstilzchen hatte er sich nun in Hulk verwandelt, seine Beschimpfungen wurden etwas zu persönlich – ich hasse dieses „Wie kann man nur so blond sein?!“ – und seine Anweisungen auch nicht klarer, zumindest nicht für mein inzwischen schockgefrostetes Hirn, das mir nur noch ERROR!ERROR!ERROR! signalisierte. Irgendwann kapierte ich dann aber doch die Sache mit dem Gang, der Motor des Schieneleitsystems war anscheinend auch noch nicht explodiert, auf jeden Fall rollte ich schließlich doch noch gemächlich durch die Anlage und hatte knapp sechs Minuten Zeit meinen Adrenalinspiegel zu senken und meinen Herzschlag wieder unter 200 BPM zu bekommen. Auto war schlussendlich auch sauber.

Ja, so war das damals. Erzählt habe ich die Geschichte niemandem, weil ich mich so schämte. Ganz offensichtlich war ich die einzige Person im Universum, die nicht in der Lage war eine Waschanlage zu benutzen. Hab ich auch nie wieder. Bis vor ein paar Wochen. Das Trauma kann ich als überwunden abhaken, ich krieg die Chose nun hin, aber von Wohlfühlen oder gar der kindlichen Begeisterung über die Fahrt durch die Autowaschanlage kann ich auch heute noch nicht sprechen. Die hat mir ein Mitarbeiter, der anscheinend einen richtig schlechten Tag hatte und seine geballte Wut über Job/Leben/whatever an einer 18-Jährigen auslassen musste, genommen. Für immer! Der schlechte Mensch -.- Natürlich hatte ich mich nicht gerade clever angestellt und eventuell hätte mein erster Gang sogar die Maschine überhitzen können (gibt es da keine Notfall-Ausschalt-bevor-Überhitzung-und-alles-explodiert-Knopf?!), das ist mir schon klar, aber etwas freundlicher hätte er schon sein können. Oder?! :D Übernächste Woche werde ich mich der Herausforderung übrigens ein weiteres Mal stellen… but the force is strong in this one! Habt noch einen schönen Sonntag!

 

10 Comments

  1. kann ich sehr sehr gut nachvollziehen – aufgrund ähnlicher Gefühlsregungen fahre ich ja gar kein Auto mehr…aber auch als Mitfahrer habe ich das Waschstrassenproblem im Griff: unser Auto wurde seit sicherlich 8 Jahren nicht mehr gewaschen :-D

  2. Na da hoffe ich mal, dass der Ehemann wenigstens ein schönes Erinnerungsfoto bekommen hat ;) Waschstraßen hasse ich auch seitdem ich bei meiner ersten Durchfahrt auch irgendetwas (frag mich nicht was!!!) falsch gemacht habe und nach erfolgreicher Waschung das hochfahrende Tor mein vorderes Nummernschild einfach mal in hohem Bogen abgerissen hat. Dann durfte ich einen Mitarbeiter bitten, mir mein Nummernschild aus den Tiefen der Waschanlage zu bergen… Sehr peinlich! Und das Schild war seither trotz kosmetischer Reparaturen sehr unschön. Du bist also nicht die einzige Blonde – ich hasse dieses „Schimpfwort“ – in der Waschanlage… Liebe Grüße!

  3. Ich hasse Waschstrassen (im Gegensatz zu Waschanlagen) auch – wegen den anderen Fahrern. Bisher hatte ich zwei Mal das Pech, dass vor mir Personen weit jenseits der 80 im Auto sassen, die dann prompt am Ende des Waschdurchgangs Panik bekamen. Vor was und warum auch immer. Jedenfalls fuhr einer gar nicht erst los und brachte die ganze Waschstrasse zum Stehen, einer fuhr rückwärts und mir vorne drauf. Meist fährt aber der GöGa durch, weil es eh auf dem Weg zum Büro liegt. So muss ich mich nicht aufregen :D

  4. Interessante Geschichte :)) und ich dachte schon ich bin alleine mit meiner Aversion gegen Waschstraßen/anlagen etc. Ich habe mit 18 bei meinem ersten Waschanlagenbesuch gleich mal meine Auto-Antenne verloren bzw. sollte man die abschrauben (das ging aber nicht) und dann war sie hin :( Tolle Sache – NICHT! Weil es nämlich nicht mein Auto war.
    Seitdem wasche ich alle Autos immer selbst und von Hand. Soll ja auch angeblich viel viel besser für den Lack sein… Und was man sich da an Geld und Nerven spart, da nehme ich die länger Zeit gerne in Kauf.

  5. Danke für den Lacher zum Wochenstart! Ich habe mich grad sooooo amüsiert :-D. Ich musste da bei der Fahrschule durch, sicher geleitet von meinem Fahrlehrer, sonst hätte ich das auch nicht geschafft :-D!

  6. Also bei uns zuhause übernimmt das dankenswerter Weise auch immer der Herzmann, wahrscheinlich auch, weil dein Waschstraßenerlebnis so ähnlich wohl auch auf mich hätte zutreffen können:)

  7. Ich musste gerade so lachen – GENAU SO war es bei mir und meinem ersten Erlebnis in der Waschstraße mit 18 auch!!!
    Ich fahre heute noch ungerne in die Waschstraße, am liebsten sind mir diese „Garagen“, in denen man das Auto abstellt und dann nach draußen geht, eine Münze einwirft und das Auto wird alleine von der Maschine gewaschen… Seufz. Immerhin bin ich nicht alleine mit diesem Trauma.

  8. Waschstraßen sind moderne Folterkammern für Frauen – zumindest kommt mir das so vor, wenn ich hier die ganzen Erfahrungsberichte lese und auch an meine eigenen Erlebnisse denke.

    Dass die meisten Mitarbeiter bei ihrer Einstellung gezielt nach Unfreundlichkeit und fehlender Motivation ausgewählt werden, scheint auch überall gleich zu sein. Echt interessant :)

    Bei meinem ersten Waschstraßenbesuch war ich alleine unterwegs, besaß den Führerschein gerade mal eine Woche und wurde genau wie du in einem völlig unangemessenen Tonfall angepflaumt. Hatte diese schmale Zugrinne nicht richtig mit dem linken Vorderrad erwischt, was zu einem Wutausbruch des zuständigen Mitarbeiters führte.
    Zum Glück wusste ich aber wenigstens, dass ich auskuppeln muss, ansonsten hätte mich der Typ bestimmt gekillt (und ich könnte diese Zeilen jetzt nicht schreiben) -.-

Begin at the beginning and go on 'till you come to the end: then stop.

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