Donna Tartt: Der Distelfink

Wie lässt Goethe den Kollegen Faust so schön vor sich hin seufzen?! „Habe nun, ach!, Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie durchaus studiert, mit heißem Bemüh’n. Da steh ich nun, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor […]“  Aber echt. Ich auch! Zwar beziehen sich meine Studien(gänge) vor allem auf die Literatur diverser Sprachen, aber wie ein Depp aka Tor komme ich mir trotzdem immer vor, wenn ich Pulitzer und Booker Prize-Gewinner lese und den Hype nicht nachvollziehen kann…

INHALT: Mit 13 Jahren verliert Theodor Decker seine Mutter bei einem tragischen Unglück. Im Zuge dessen gerät auch das fast 400 Jahre alte Gemälde Der Distelfink von Carel Fabritius in seinen Besitz, das Theo nun als wertvollste Verbindung zu  seiner Mutter betrachtet. Nach ihrem Tod  „Spielball“ der Sozialfürsorge,  verschlägt es Theo von New York nach Las Vegas wo er im Kleinkriminellen Boris einen besten Freund findet. Doch sogar vor ihm bewahrt er sein Geheimnis, das erst Jahre später durch ein Versehen ans Licht zu kommen und Theos gesamte Existenz zu pulverisieren droht…

FAZIT: *grmlgrmlgrml* Zu Anfang fand ich die Story ja noch ganz nett, siehe Inhaltsbeschreibung, doch, man erinnere sich, bei ca. 10% im Dezember letzten Jahres, hatte ich bereits einen ziemlichen Hänger, weil ich nicht neugierig genug darauf war wie es mit Theo und dem Bild weitergehen würde. Das Buch hatte mich also schlichtweg nicht gepackt. Aber wie gesagt, die Welt hält das Buch für eine Offenbarung und dann will ich eben wissen wieso, weshalb, warum. Aber soll ich euch was verraten? Auch nach über 1000 Seiten, als ich mit letzter Kraft und vor allem meinen letzten Nerven das Ende erreichte, kann ich euch nicht sagen was an diesem Buch so besonders sein soll. Sollte ich es zusammenfassen wäre das harsche Urteil: 1000 Seiten belangloses Geschwafel einer unsympathischen Person.

Mag sein, dass das Buch im Original eine sprachliche Offenbarung ist, auf Deutsch ist es nichts weiter als verqueres Geschwurbel. Pseudo-philosophische Worthülsen, die Seite um Seite füllen und sich eigentlich auf zwei Sätze Essenz herunterbrechen lassen. Anstrengend, nenne ich das, und eben auch langweilig. Aber bitte, womöglich ist es einfach für intellektuellere Geister geschaffen als den meinen ;)

Abgesehen von der Sprache bleibt da natürlich auch noch die Geschichte, die in ihrer behäbigen, eventuell künstlerischen, Ziellosigkeit den ein oder anderen Leser ansprechen mag – mich aber nicht. Fast jede Szenerie und rund 80% der Handlungen der betreffenden Personen sind in meinen Augen unglaubwürdig. Angefangen vom Vorfall im Museum, über die Aufnahme in die dysfunktionale Familie eines Freundes, über Eskapaden in einem anscheinend rechtsfreien Raum namens Las Vegas bis hin zu einem Antiquitätenladen in New York dessen fortbestehende Existenz lediglich mit einem Fehler in der Matrix zu erklären ist. Bleiben also die Personen. Doch selbst Titelheld und Ich-Erzähler Theo ist blass und unsympathisch, von den Nebencharakteren brauche ich daher gar nicht erst anzufangen. Zusätzlich gibt es innerhalb der Erzählung auch noch mehrere Zeitsprünge, die ausgerechnet die Zeiten überspringen in denen Theos Leben mal wirklich interessant sein könnte… Ach und was jetzt am Ende mit dem dusseligen Bild ist… nujaaaa…

Sollte mich jemand fragen ob Der Distelfink lesenswert ist, würde ich glatt „Nein.“ sagen, weil „Langweiliges Geschwätz.“ Allerdings sehen das viele Leute völlig anders und vielleicht muss man sich gerade in diesem Fall seine eigene Meinung bilden und das Buch selbst zur Hand nehmen. Nur sagt danach nicht, ich hätte euch nicht gewarnt ;)

6 Comments

  1. also mir hat das Buch gefallen auch wenn es zugegebenerweise einige Längen hatte – ob das nun am englischen Original lag oder daran, dass ich Geschichten mit wenig Spannung mag sei dahingestellt (vermute letzteres ;-))

    • Hatte ich es doch richtig im Kopf, dass du es gelesen hast! Es ist sicherlich in erster Linie Geschmackssache. Wobei ich mich drauf eingestellt hatte, dass es kein Thriller oder so ist. Also irgendwie glaube ich, dass es an der Übersetzung gelegen haben muss. Im Deutschen waren die seitenlangen Längen einfach keine schönen Bilder, im Original könnten die aber funktioniert haben. Allerdings fand ich auch die Story nun sooooo blöd, dass ich keine Lust habe mir auch noch die englische Version anzutun *g*

  2. Obwohl ich mir die 1000 Seiten – wenn sie mich fesseln – seit letztem Jahr wieder zutraue, reizt mich das Buch überhaupt nicht. Der schönste Stil ist nix, wenn die Story langatmig ist. Schöner Stil wäre mir dann auf 250 Seiten ausreichend.

    Hast du schon mal Irving gelesen? Ich will dieses Jahr eigentlich „Bis ich dich finde“ nochmal lesen, aber irgendwie fehlt mir dieses Jahr noch der Leseschwung. Fiel mir nur gerade bei dicken Büchern ein … :-)

    • Irving hat mich nie gereizt. Ich bin einfach ein Thriller-Leser. Aber wenn du sagst, dass „Bis ich dich finde“ was ganz, ganz besonderes ist, schreibe ich es auf die Liste!

Begin at the beginning and go on 'till you come to the end: then stop.

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